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Ich war schon als Kind ziemlich neugierig,
und das hat sich bis heute nicht geändert. Die wichtigsten
Meilensteine waren vermutlich, dass mir meine Mutter sehr
früh ihren Fotoapparat überließ, mich unerbittlich
dazu nötigte, aufs Gymnasium zu gehen, und mir ein paar
Jahre später eine Schreibmaschine schenkte. Alles andere
kam dann irgendwie von selbst.
Manchmal dauert es ein paar Jahre, und man
geht einige Umwege, bis man seine Berufung erkennt und wirklich
annehmen kann. Aber sind es wirklich Umwege?
Der Weg zum Gipfel eines Berges verläuft in Serpentinen,
und während man wandert, gibt es immer wieder faszinierende
Ausblicke, Rastplätze und Entdeckungen am Wegesrand,
die man verpassen würde, wenn man immer nur den schnellsten
und direkten Weg wählt.
Mit meinen vielseitigen Interessen und sehr
ausgewogenen Ergebnissen in fast allen Schulfächern stand
ich als junger Mensch, wie so viele andere, vor der Qual der
Wahl: welchen Beruf sollte ich ergreifen?
Obwohl sich meine persönlichen Neigungen - Fotografie,
Schreiben und Psychologie - schon sehr früh zeigten,
wählte ich eine Berufsausbildung, die sich an vernünftigen
und bodenständigen Kriterien orientierte: Ich wollte
kein brotloser Künstler sein, sondern meinen Lebensunterhalt
selbst verdienen. Ich wollte auch die Möglichkeit haben,
freiberuflich zu arbeiten. Vor allem wollte ich mich nicht
von vorneherein auf ein bestimmtes Themen- oder Arbeitsgebiet
festlegen. Also wählte ich eine Ausbildung zur Übersetzerin
und Dolmetscherin. Es ist nie verkehrt eine oder zwei Fremdsprachen
zu beherrschen, und wie sich im Laufe meines Berufslebens
heraus stellen sollte: was man im spezifischen Job können
und wissen muss, kann man auch noch lernen, während man
es tut.
Einmal ins Berufsleben gestartet, lernte ich verschiedene
Firmen, Organisationen und Arbeitsmethoden kennen. Mal machte
es Spaß, mal war es in Ordnung, mal war es fürchterlich.
Herausragende Chefs und weniger talentierte wechselten sich
ab. Ich arbeitete in funktionierenden Teams, erlebte aber
auch Spannungen bis hin zum Mobbing. In den Jahren gab es
viel zu lernen, ich leistete viel, verdiente gut, aber richtig
glücklich war ich nicht. Tief in meinem Herzen wußte
ich seit dem ersten Tag der Festanstellung, dass diese Form
des Arbeitens eigentlich nicht meine war.
Weil ich immer schon nebenbei freiberuflich gearbeitet hatte,
entschied ich mich nach 16 Berufsjahren im Siemens-Konzern,
den sicheren Hafen zu verlassen und aufs stürmische Meer
der Selbständigkeit hinaus zu segeln. Ich war bereit
das Risiko einzugehen, als brotlose Künstlerin zu enden
- oder aber, wie einst Christopher Kolumbus, einen neuen Kontinent
zu entdecken. Die Reise hat 2005 begonnen und seitdem ist
viel passiert.
Auf jedem Weg gibt es Kreuzungen und Abzweigungen. Dann müssen
Entscheidungen her. Es ist nicht leicht, Dinge los zu lassen,
die man gerne tut. Weniger Auftragsfotografie, weniger Fotokurse,
dafür mehr Bücher schreiben - das waren die Wegweiser
in 2009 und 2010. Wenn man im Terminkalender kein freies Fleckchen
mehr findet, Anfragen nur noch mit "später"
und "frühestens in drei Monaten" beantworten
kann, und wenn der Jahresurlaub auf vier Tage schrumpft, dann
besteht die Gefahr, dass Begeisterung auf geradem Weg in den
Burnout führt. Ich musste schmunzeln, als mir eine Ärztin
riet: "Tun Sie doch mal etwas, das Ihnen Spaß macht!"
Weill ich mindestens 100 Jahre lang glücklich und gesund
leben möchte, habe ich meine Homepage im April 2011 mal
wieder aktualisiert :-)
Mein Dank gilt, nach wie vor all denen, die mich auf meinem
Weg schon begleitet haben, und all denen, die es noch tun
werden.
"Versuchen? Es gibt kein
Versuchen. Es gibt nur Tun oder Nicht-Tun"
---
Yedi-Meister Yoda
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